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Hartmut Schmidt - Klarinette, Alt-Saxophon, Gesang, Ansage

Geboren wurde er 1940 in der Niederlausitz, heute in Polen gelegen. Letzte Kriegsereignisse sind ihm bruchstückhaft in Erinnerung. Die Flucht nach Westen brachten Mutter, Schwester und ihn nach Lüneburg. Was für ein Glück! Die Stadt war schon 1945 hoch interessant.

Viel Zeit brachte er beim Spielen im flachen Wasser des Lösegrabens zu, oder er war Zuschauer bei der Hufschmiede in der Glockenstraße. Seine musikalische Versorgung bestand aus dem, was der alte Volksempfänger auf Mittelwelle herauskrächzte.

Schön war immer die eine Stunde mit Gerhard Gregor an der Funkorgel. Viel später hatte er Gelegenheit, mit dessen Sohn Michael zusammen zu jazzen. Das wusste er damals aber noch nicht. Bald versuchte der engagierte Lehrer - Herr Stoye - ihm einige Melodien auf der Blockflöte und die dazu gehörigen Noten beizubringen. Von einem Lebensweg im Sinne der Musik aber noch keine Anzeichen.

Die Schulzeit auf dem Johanneum ging – ohne sein besonderes Zutun – voran. Seine Interessen waren Malerei und Zierfischzucht. Da taten sich plötzlich – so um 1955 – die ersten Schüler-Bands zusammen. Die "Funny Bottle Imps" - Dirk Revenstorff (Sopran-Sax), Manfred Gehrmann (damals Posaune), Moppel Wilke (Trompete), Heini Schildbach (Klavier und Banjo), Lefty Reinicke (Bass) und Jürgen Spitzlei (drums) machten schönen alten Jazz. Hartmut versäumte kaum ein Übungstreffen und probierte in den Spielpausen Griffe auf dem Banjo. Ein weiterer Mitschüler hat ihn seinerzeit erheblich beeinflusst. Es war dies Rüdiger Schwencke, ein damals schon beachtenswerter Blues-Gitarrist und Sänger. Sie hörten zusammen unterschiedliche Jazz-Platten und fachsimpelten darüber.

Da kam eines Tages eine Scheibe zu Gehör mit dem Stück Darktown Struttersball darauf, gespielt von der 1945er Bunk Johnson-Band mit George Lewis. Da sträubten sich Hartmuts Nackenhaare, sein Körper fing an zu zucken, Schweiß brach aus. Das war es! Diese Musik sollte es sein! Rü Schwenke war kein Freund einer Orchestergründung. Sein Zugeständniss bestand darin, dass auf einfachen Kindertrompeten zu seinem Gitarrenspiel Kollektiv-Imrovisationen geübt wurden. Hartmut hatte jetzt auch eine Wandergitarre, die – aus Unvermögen – nur dreiseitig gespielt wurde. Aber es ging doch noch voran.

Eines Tages konnte er Dirk Revenstorff (den von den Bottle Imps) überreden, ihn vom Hamburger Hauptbahnhof zur Feldstraße zu bringen, wo sich damals schon (1957) Müllers Klarinetten-Laden befand. "Sie wollen also eine Klarinette kaufen. Da hätten wir so einiges. Wieviel wollen Sie denn ausgeben?" Verlegenes Hantieren im Portemonnaie, Antwort: "Ich habe 35 Mark dabei." Ein Augenblick peinlicher Stille, dann ein Gang in den Nebenraum, Herr Müller brachte tatsächlich eine Klarinette für 35 Mark mit.

Hartmuts Eltern waren mittlerweile in die Hagener Schule umgezogen. Bald erfüllten Heultöne die Kellerräume. Es fanden sich auch Mitstreiter, z. B. der damals schon fast perfekte Trompeter Klaus Maas, der Trommler Werner Thrun, der von der Marschmusik kam, und schon bald Pit Müller, der später im Jazz richtig Karriere gemacht hat.

Trotz vielfältiger Konkurrenz - in Lüneburg gab es damals mindestens zehn auftrittsreife Bands oder Skifflegroups – hatte er 1960 seine erste Band zusammen. Sie hieß nach einer zahmen Krähe "Black Hugo's Ragtimeband". Dazu bildete sich eine erweiterte Version als Marching-Band, die "Black Hugo's Brass Band“. Berufsbedingt schieden wichtige Musiker aus und mussten ersetzt werden.

Es sind jetzt einige Musiker aufgeführt, die für längere Zeit bei den "Black Hugos" dabei waren:

Pit Müller (zuerst Posaune, dann Trompete ), Thomas Bracklow und Dieter Strasdas (Posaune), Berndchen Gollers und Erny Röhr (Banjo), Friedjoff Klug und Dieter "Jump" Springer (Piano), Jan Bender und Mike Schneider (Kontrabass), Pluto Emmermann und Ede Wolf (Tuba), Achim Wessel und Jürgen Spitzlei (Schlagzeug).

Es können hier nicht alle genannt werden.

1965 zog Hartmut berufsbedingt nach Bergen an der Dumme in den Kreis Lüchow-Dannenberg, wo er noch heute wohnt. Er erhielt dort eine Lehrerstelle zugeteilt.

Die Verbindungen zur Lüneburger und Hamburger Jazzwelt rissen erstmal ab, lebten aber zwischendurch immer wieder auf. Das lag auch daran, dass er 1969 Werner Gürtler kennen lernte.

Die letzte Version der "Black Hugo's" bestand neben ihm aus Werner an der Posaune, Hans-Jörn Brandenburg am Klavier, Ritchie Richter am Banjo, Klaus Anders am Bass und Hellmut Grabow am Schlagzeug. Geübt wurde bei Brandenburgs in Bardowick.

Nachdem auch diese Gruppe auseinander strebte, wurde – nach einer Zeitungsannonce – zwischen Hartmut und dem bekannten Hamburger Trommler Wilm Dohse, der damals in Wittorf wohnte, ein denkwürdiges Telefonat geführt, das die Entstehung der "Ragtime United" zur Folge hatte. Das war 1976.

Bis 2003 engagierte sich Hartmut Schmidt in dieser Band, schied dann – gemeinsam mit Werner Gürtler – aus.

Außerhalb der Festivals und Jazz-Clubs gibt es für größere Formationen nur wenige Auftrittsmöglichkeiten. So entspringt das Quartett "Mockingbird Jazzband" eher einer "Marktlücke", benötigt aber auch ein besonderes musikalisches Konzept.